Baldiger Umzug

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Ihr werdet nun weiterleitet.

Endlich neuer Termin und Ort: am 03. April, 19 Uhr im Gängeviertel „They were not silent!“

They were not silent!

Die jüdische Arbeiter_innen- und Gewerkschaftsbewegung in den USA und
ihr Kampf gegen NS-Faschismus und Holocaust

Vortrag / Filmvorführung / Diskussion mit Martin Schmitt

Als Hitler 1933 an die Macht kam, nahm kaum jemand die Gefahren ernst,
die vom Antisemitismus der Nazis ausgingen – weder innerhalb noch
außerhalb Europas. Anders die stark durch osteuropäische
Einwanderer_innen geprägte jüdische Arbeiter_innen- und
Gewerkschaftsbewegung in New York City: Mit Demonstrationen und
Kundgebungen, Aktionen und Kampagnen wurde versucht, die amerikanische
Öffentlichkeit über die Vorgänge in Deutschland zu informieren, gegen
die einsetzende antisemitische Ausgrenzung und Verfolgung zu
protestieren und insbesondere die amerikanische Arbeiter_innenschaft zur
aktiven Unterstützung des antifaschistischen Kampfes zu motivieren.
Verschiedene gewerkschaftliche, sozialdemokratische, sozialistische und
arbeiterzionistische Gruppierungen schlossen sich daraufhin im „Jewish
Labor Comittee” (JLC) zusammen, um eine entschiedene antifaschistische
Haltung in die zum Isolationismus neigende amerikanische
Arbeiter_innenschaft hineinzutragen. Nach dem Ausbruch des Krieges galt
es für das JLC, bedrohten Sozialist_innen und Gewerkschafter_innen aus
Europa die Flucht in die USA zu ermöglichen. Nur dank umfangreicher
Spenden und der beherzten Hilfsbereitschaft der amerikanischen
Arbeiter_innenbewegung konnte auf diesem Weg zur Rettung von unzähligen
Menschen beigetragen werden. Als schließlich erste Berichte über die
systematische Vernichtung von Jüdinnen_Juden in den von Nazideutschland
okkupierten Ländern Osteuropas die USA erreichten, begann das JLC damit,
jüdische Partisan_innen- und Untergrundgruppen in u. a. Polen und der
Ukraine mit Geld und Waffen zu unterstützen – so beispielsweise auch im
Vorfeld des Aufstandes im Warschauer Ghetto 1943.

Der im Jahr 1998 im Auftrag des Robert F. Wagner Archivs (New York
University) produzierte, in Europa unbekannte Dokumentarfilm erzählt
eine in deutschen Museen, Schulbüchern und Fernsehsendungen ignorierte
Geschichte: Die Geschichte vom aktiven Kampf der jüdischen und
amerikanischen Arbeiter_innenbewegung gegen Nazifaschismus und
Holocaust. Der Film (30 min, in englischer Sprache) wird erstmals mit
deutschen Untertiteln gezeigt.

Einleitender Vortrag und anschließende Diskussion mit Martin Schmitt,
Mitherausgeber der Neuedition von Alexander Steins kritischer Analyse
des nationalsozialistischen Antisemitismus in »Adolf Hitler, Schüler der
‚Weisen von Zion‘« (ça ira 2011).
Die Veranstaltung sollte eigentlich bereits im Januar stattfinden,
musste aber leider verschoben werden.

03.04.2013 | 19.00 Uhr | Gängeviertel, dort ausgeschildert
Veranstaltet von der Gruppe sous la plage – www.souslaplage.org

They were not silent!

They were not silent - Vortrag und Filmvorführung am 31.01.2013

They were not silent!
Die jüdische Arbeiter_innen- und Gewerkschaftsbewegung in den USA und ihr Kampf gegen NS-Faschismus und Holocaust

Vortrag / Filmvorführung / Diskussion mit Martin Schmitt

Als Hitler 1933 an die Macht kam, nahm kaum jemand die Gefahren ernst, die vom Antisemitismus der Nazis ausgingen – weder innerhalb noch außerhalb Europas. Anders die stark durch osteuropäische Einwanderer_innen geprägte jüdische Arbeiter_innen- und Gewerkschaftsbewegung in New York City: Mit Demonstrationen und Kundgebungen, Aktionen und Kampagnen wurde versucht, die amerikanische Öffentlichkeit über die Vorgänge in Deutschland zu informieren, gegen die einsetzende antisemitische Ausgrenzung und Verfolgung zu protestieren und insbesondere die amerikanische Arbeiter_innenschaft zur aktiven Unterstützung des antifaschistischen Kampfes zu motivieren. Verschiedene gewerkschaftliche, sozialdemokratische, sozialistische und arbeiterzionistische Gruppierungen schlossen sich daraufhin im „Jewish Labor Comittee” (JLC) zusammen, um eine entschiedene antifaschistische Haltung in die zum Isolationismus neigende amerikanische Arbeiter_innenschaft hineinzutragen. Nach dem Ausbruch des Krieges galt es für das JLC, bedrohten Sozialist_innen und Gewerkschafter_innen aus Europa die Flucht in die USA zu ermöglichen. Nur dank umfangreicher Spenden und der beherzten Hilfsbereitschaft der amerikanischen Arbeiter_innenbewegung konnte auf diesem Weg zur Rettung von unzähligen Menschen beigetragen werden. Als schließlich erste Berichte über die systematische Vernichtung von Jüdinnen_Juden in den von Nazideutschland okkupierten Ländern Osteuropas die USA erreichten, begann das JLC damit, jüdische Partisan_innen- und Untergrundgruppen in u. a. Polen und der Ukraine mit Geld und Waffen zu unterstützen – so beispielsweise auch im Vorfeld des Aufstandes im Warschauer Ghetto 1943.

Der im Jahr 1998 im Auftrag des Robert F. Wagner Archivs (New York University) produzierte, in Europa unbekannte Dokumentarfilm erzählt eine in deutschen Museen, Schulbüchern und Fernsehsendungen ignorierte Geschichte: Die Geschichte vom aktiven Kampf der jüdischen und amerikanischen Arbeiter_innenbewegung gegen Nazifaschismus und Holocaust. Der Film (30 min, in englischer Sprache) wird erstmals mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Einleitender Vortrag und anschließende Diskussion mit Martin Schmitt, Mitherausgeber der Neuedition von Alexander Steins kritischer Analyse des nationalsozialistischen Antisemitismus in »Adolf Hitler, Schüler der ‚Weisen von Zion‘« (ça ira 2011).

31.01.2013 | 19.00 Uhr | Hafenvokü, Hafenstraße 116
Facebook-Event

Donnerstag: Widerstand und „Widerstand“ in Griechenland heute

Veranstaltung mit der „Antifa Casa del Campo“ (Athen), Moderation: Cafe Morgenland
Download des Mitschnitts der Veranstaltung bei Freie-Radios.net

Deutschland demonstriert zurzeit mit Post-Wiedervereinigungsstärke, wer in Europa das Sagen hat und wie die klimatische Selektion in gute und böse Länder vonstatten zu gehen hat (faule Südländer, fleißige Nordländer). Dies mit tatkräftiger Unterstützung geschlossener Reihen der Population samt ihrer politischen Formationen. Das ist der traditionelle völkische Vorgang mit erprobtem rassistischen Praxisbezug. Selbstverständlic
h sollte es sein, dass man/frau persönliche unmittelbare Gegnerschaft bzw. Widerstand dagegen leistet, verbal und praktisch. Was aber nicht eine automatische Selbstverständlichkeit ist, ist, dass jede der Form nach widerständige Aktion der Massen in den betroffenen Ländern zu heroischem Aufstand verklärt und sich mit denen solidarisiert wird. Es sei denn, die reale gesellschaftliche Situation wird im Bewusstsein ausgeblendet, um die brennenden Barrikaden als Projektion der eigenen Ohnmächtigkeiten politisch und sozial nutzbar zu machen. Solidarität kann nur aus Inhalten entstehen und aus nichts anderem. Anderenfalls führt diese Solidarität zur Stärkung der vor Ort explodierenden rassistischen, antisemitischen und chauvinistischen Exzesse, wie sie seit einiger Zeit in Griechenland stattfinden.

Der Syntagma Platz als Ort und Kristallisationspunkt der Contra Rebellion oder die Volkssynthese
Die Realität in Griechenland spricht genau diese Sprache: Täglich finden Angriffe gegen MigrantInnen und Flüchtlinge statt. Die erdrückende Mehrheit der griechischen Gesellschaft und die griechische Polizei machen das Leben der dort lebenden „Nicht-Griechen“ zur Hölle. Es ist absolut kein Widerspruch, sondern eine Einheit, gegen das „Spardiktat“ der EU und der Troika und gegen die „Fremdkörper“ mit der gleichen Militanz vorzugehen. Linksradikale säubern ihre Stadtteile von Junkies und Dealern, Rechtsradikale von MigrantInnen.
Allein innerhalb von 17 Tagen im Juni fanden über 300 Angriffe mit Schwerverletzten und traumatisierten MigrantInnen statt. Der Monat August war sehr heiß, besonders für die Roma. Hunderte Bürger, unterstützt von der Polizei und den Neonazis des „Goldener Morgen“, überfielen Roma-Siedlungen in Aitoliko. Eine ganze Nacht dauerten die Straßenschlachten. Drei Tage später hat der Mob in Rio die dort campierenden Roma angegriffen, um sie zu vertreiben. Innerhalb von drei Tagen in der ersten Augustwoche verhaftete die Polizei in militärisch organisierten Razzien über 6000 MigrantInnen und Flüchtlinge. Das Volk atmete auf.
Gewiss, die ökonomischen Zustände haben zu einer Instabilität des finanziellen Gefälles gegenüber den MigrantInnen geführt; auch wenn dies bei weitem nicht so der Fall ist, wie es von MigrantInnen gewünscht wäre, da sie froh wären, wenn sie den Stand der nun Deklassierten erreichen könnten. Umso deutlicher aber stabilisiert sich der rassistische Alltag. 86% waren vor der sogenannten Krise in GR gegen „Ausländer“, während der Krise auch. Mit dem qualitativen Unterschied, dass dieser Volkswille bei den letzten Parlamentswahlen mit 20 %-igem Stimmenanteil der Neonazis (Goldener Morgen) und anderer Faschisten (Unabhängige Griechen, LAOS usw.), auf der legislativen Ebene verfestigt wurde – bei gleichzeitigen Höhepunkten der rassistischen Angriffe. Von dem antisemitisch veranlagten Hoffnungsträger (auch der hiesigen Linken), dem Linksbündnis SYRIZA, ganz zu schweigen. Von der Lüftung dieser und anderer Geheimnisse handelt die Veranstaltung mit der Gruppe „Antifa Casa del Campo“, einer Athener Antifa-Gruppe aus griechischen und migrantischen AntifaschistInnen. Ihr Motto: „Der Feind ist das eigene Land“.

Frankfurt: IVI (Institut für vergleichende Irrelevanz), Kettenhofweg 130 – Uni Campus Bockenheim, 60325 Frankfurt am Main
Hamburg: Rote Flora. Achidi-John-Platz 1 – Ex-Schulterblatt 71, 20357 Hamburg
Bremen: Infoladen, St. Pauli Str. 10-12 (Ostertor), 28203 Bremen
Moderation: Café Morgenland

Zum Lesen:
http://www.cafemorgenland.net/archiv/2004/2004.10.03_Jagdsaison_de.htm
http://www.cafemorgenland.net/archiv/2005/2005.12.16_Der%20versteckte%20Charme.htm

Zum Hören:
http://www.freie-radios.net/49074

enter_the_gap: mit Redebeitrag zu Antisemitismus und Geschlecht

Gestern besuchten wir die Demonstration des Bündnisses enter_the_gap, zu der wir auch einen Redebeitrag beisteuerten. Dieser kann hier sowohl nocheinmal angehört und vor allem nachgelesen werden.

no comment

Die Hamas ist nicht antisemitisch. Wer das behauptet, ist ignorant. Sie ist vielleicht ein bisschen faschistisch, aber nicht antisemitisch. Ich weiß das, ich habe nämlich viele Freunde da.

Inbal S. / Anarchists Against The Wall
Während ihrer Veranstaltung: „What`s behind the wall? A journey to Israel\Palestine.“ in der Roten Flora

14.06. 19:30 – Podiumsdiskussion: Besser allein als in schlechter Gesellschaft!?

Die radikale Linke, insbesondere in Hamburg, hat ein Problem: Kritiker_innen des linken Antisemitismus. Nicht etwa die weit verbreitete Israelfeindschaft, die antisemitischen Vorfälle der letzten Jahre und die gewalttätigen Angriffe auf jene, die in denunziatorischer Absicht als Antideutsche identifiziert und zum Abschuss freigegeben werden, scheinen die Bewegten aus dem Konzept zu bringen. Gestört fühlt sich mensch in erster Linie von denen, die den gegenwärtigen Zustand als unerträglich kritisieren und der Linken das scheinbar Unmögliche, nämlich eine Auseinandersetzung mit antisemitischen Ressentiments in den eigenen Reihen, abverlangen. Mit dem Hinweis auf ihre Heterogenität redet sich die linke Großfamilie ihre Unfähigkeit zur Auseinandersetzung auch noch schön. Außerdem sei es doch das Wichtigste, handlungsfähig zu bleiben.

Es ist nur konsequent, dass unter diesen Bedingungen jene zur Bedrohung werden, die den Minimalkonsens der Szene, der Elemente des Antisemitismus beinhaltet, angreifen. Pädagogisch wertvoll wird zwar alle Jahre wieder auf die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit dem Thema Antisemitismus hingewiesen, inhaltliche Diskussionen und Positionierungen finden im Grunde jedoch nicht statt. Und so gibt es darüber, dass Antisemitismus innerhalb der Linken ein Problem darstellt, dem vor allem praktisch begegnet werden muss, bestenfalls temporär und lokal begrenzt eine Einigung, die in harten Auseinandersetzungen errungen und häufig schnell wieder in Frage gestellt wird.

Eine sich als emanzipatorisch verstehende Bewegung, die vom Kommunismus redet, aber nicht davon sprechen will, dass mit Antisemit_innen, die sich mit Vorliebe im Kostüm des Antizionismus schlecht verkleiden, radikal gebrochen werden muss, sollte besser schweigen. Angesichts der unzähligen antisemitischen Vorfälle und des antizionistischen Konsens innerhalb der radikalen Linken, stellt sich ernsthaft die Frage, ob nicht die deutsche Linke in ihrer gegenwärtigen Verfassung in erster Linie eine reaktionäre Vereinigung ist, der im Grunde mehr am Status quo als an dessen emanzipatorischer Veränderung gelegen ist.

Welche Form aber kann politische Praxis inmitten einer Bewegung annehmen, die nicht im Stande zu sein scheint, einen konsequenten Umgang mit Antisemitismus zu finden und sich endgültig von ihrem Antizionismus zu verabschieden? Gilt es, den Bruch mit der sich als radikal verstehenden Linken zu forcieren? Bleibt mensch besser allein als in der schlechten Gesellschaft linker Zusammenhänge, die, wie die Vergangenheit gezeigt hat, zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema Antisemitismus nicht bereit sind? Oder gibt es doch noch eine Chance für Veränderung?

Diese Fragen möchten wir mit der geplanten Podiumsdiskussion an verschiedene Hamburger Politgruppen richten, die sich in unterschiedlicher Weise innerhalb der oder auch in Distanz zur linken Szene verorten. Am Beispiel der Entwicklungen in Hamburg sollen die eingeladenen Gruppen über ihre Wahrnehmungen von und ihren Umgang mit linkem Antisemitismus berichten, ihre politischen Schlussfolgerungen darstellen, ihre Standpunkte diskutieren. Wir möchten mit dieser abschließenden Veranstaltung der Reihe “The Voices of Germany – Zur Kritik des Antisemitismus von links” einen Beitrag zu einer dringend notwendigen Debatte leisten.

Auf dem Podium werden vertreten sein: Sous la Plage, McGuffin, Kritikmaximierung, “Flora bleibt unverträglich”, sowie eine Person aus dem Vorbereitungskreis der Veranstaltungsreihe “The Voices of Germany – Zur Kritik des Antisemitismus von links”.

Am 14.06.2012 in der Roten Flora, danach sicherlich auch als Mitschnitt, ebenso wie die anderen Veranstaltungen der Reihe, die wir ebenfalls empfehlen: http://voicesofgermany.org

Und als wäre nichts gewesen… – »Endgültig« ist daran nichts!

Wie die Gruppe Theorie.Organisation.Praxis (i.F. TOP) aus Berlin anhand einer eigenwilligen Interpretation1 des Imagine There’s No Deutschland (i.F. Imagine)-Aufrufs2 »endgültige Anmerkungen zur These einer »deutschen Spezifik« nationaler Ideologie« abgeben möchte – und: wie dies einfach nicht gelingen will.
Das Imagine-Bündnis verfasste zur Demo am 03.10.11 in Bonn einen Aufruf gegen Deutschland und die Einheitsfeierlichkeiten. In diesem wurde ebenso die unspezifische Kritik des Nationalismus, die bis zum Relativismus getriebene Geschichtsvergessenheit oder die Mobilisierung einer linken Masse des UmsGanze! (i.F. UG!) – Bündnisses kritisiert. Das regionale Bündnis Friede.Freude.Eierkuchen? Gegen Einheitsfeier und NRW-Tag (i.F. Eierkuchen), welches die Demo vor Ort organisierte, wurde von einer UG!-Gruppe, dem Antifa AK Köln, dominiert – was sich auch an dem Teaseraufruf zeigte, der die seit Jahren kritisierten Theoreme wiederum versammelte. Als Antwort und Angriff auf das Imagine-Bündnis schob die TOP, ebenfalls Teil von UmsGanze!, einige projektive Annahmen zu antideutscher Kritik hinterher: Der Imagine-Aufruf unterstelle ein »spezifisch deutsches (…) Staatsprogramm«, einen »historisch durchhaltenden Nationalcharakter«, bzw. ein »durchhaltendes deutsches Wesen«, mittels dessen die »völkischen Motive« des deutschen Nationalismus erklärt würden – die TOP wirft den Autor_innen des Aufrufs also ernsthaft völkisches Denken vor.
Die TOP stürzt sich auf den von ihr eigens aufgebauten völkischen Pappkameraden, als hätte die antideutsche Linke nicht seit mehr als 20 Jahren auf den Begriff der deutschen Ideologie verwiesen, auf den sich auch die Autor_innen des Imagine-Aufrufs berufen. Sie meint, genau zwei simple Erklärungsmodelle ausgemacht zu haben, die sie in der Überschrift »Völkischer Nationalismus – Nationalcharakter oder ideologischer Reflex?« vorwegnimmt. Das Erklärungsmodell »Nationalcharakter« weist die TOP dem Imagine-Aufruf zu, obwohl darin nie die eine derartige Setzung vorgenommen worden ist: Die positive (unmögliche) Bestimmung dessen, was deutsch ist, können schließlich seit jeher nur Nationalist_innen jeglicher couleur vornehmen, die über »Rasse« oder »Abstammung« versuchen, diesen Begriff zu füllen. Was deutsch ist, lässt sich indes nur ex post und ex negativo feststellen, als die sich in den Vernichtungslagern materialisierte deutsche Ideologie. Vielmehr als der von niemandem vertretenen These des »Nationalcharakters« sei der völkische Nationalismus ein »ideologischer Reflex« auf »aktuelle Konfliktlagen und Widersprüche kapitalistischer Vergesellschaftung«. »Völkisches Bewusstsein« sei »prekäre ideologische Aufhebung der unverstandenen Widersprüche und Bedrohungslagen kapitalistischer Vergesellschaftung hier und heute«. Nur das »hier und heute« bestimme also die »ideologischen Reflexe«, die zu Krisenzeiten mal so und mal so aus den Subjekten schießen. Denn der »Verweis auf Traditionen« sei schließlich »ein typisches Moment bürgerlicher Ideologie« – und mit dieser hat die TOP selbstverständlich nichts zu tun. Ganz offenbar bleiben so wichtige Kontinuitäten unbeachtet; ansonsten wären die Genoss_innen wohl auch in die Verlegenheit geraten, sich mit dem Fortwesen des Rassismus, des Antisemitismus, des Antiziganismus oder auch des Antiamerikanismus auseinanderzusetzen. Diese Phänomene entstehen schließlich nicht immer wieder neu in bestimmten »Bedrohungslagen«, sondern weisen eine lange Geschichte auf. Der Begriff des Postnazismus, der genau diese Geschichtlichkeit zu fassen versucht, wird plump als »antideutsches Volksvorurteil« abgetan, stattdessen werden »differenzierte Analysen über die gegenwärtige Zusammensetzung des deutschen Nationalismus« eingefordert, an der die TOP selbst scheitern muss. Denn: Ohne den Verweis auf die Entwicklung sich verfestigender oder verfestigter Motive, die der Imagine-Aufruf mit dem Begriff der Tradition oder der Kontinuität zu fassen versucht, ist der deutsche Nationalismus nicht zu beleuchten.
Nachdem im schon erwähnten Teaseraufruf3 des Eierkuchen-Bündnisses, dem glücklicherweise nie eine ausführlichere Version folgte, völkischer Nationalismus nur marginal Erwähnung fand – so war von »völkischen und reaktionären Freaks« die Rede – räumt die TOP in ihren »endgültigen Anmerkungen« immerhin ein, dass »der gegenwärtige deutsche Nationalismus von völkischen Motiven durchsetzt« sei. Der Nationalismus wird als »die prägende Ideologie der kapitalistischen Epoche« charakterisiert, was in dieser Bestimmtheit an Haupt- und Nebenwiderspruchsargumentationen erinnert. Die Erwartungshaltung, es würde sich eine scharfe Kritik des Nationalismus aus dieser konstruierten Zentralität ergeben, wird enttäuscht: Die Analyse bleibt reichlich stumpf. Wenngleich etwas verzweifelt betont wird, »antinationale Kritik« ignoriere, anders als fortwährend unterstellt, »keineswegs die besondere Geschichte und Struktur des deutschen Nationalismus«, zeugen ihre »Anmerkungen« lediglich von zweierlei: Ahistorizität und Unspezifik. Axiomatisch lässt sich ihre oben aufgeführte allgemeingültige Erklärung auf alle kapitalistischen Staaten in allen Zeiten übertragen. Wo schießen in der Krise schließlich nicht die Reflexe aus den Subjekten? Mittels der Erklärung der TOP wird aus Israel, Japan und Deutschland einerlei: kapitalistische Staaten. Ähnlich verhält es sich auch bei der von UmsGanze!-Gruppen oft verwendeten Phrase des »kapitalistischen Normalvollzugs«, der stets überall gleich zu sein scheint: Dieser UG!-Gemeinplatz suggeriert einen kapitalistischen »Basiszustand«, der von jeglichen Spezifika, wie Zeit, Ort oder etwa Entwicklung, abstrahiert. Die einzige vermeintliche Spezifik, auf die sich immer wieder aufs Neue geeinigt werden kann, ist die sogenannte »Standortlogik«, die seit Jahren zum festen Repertoire des Floskel-Baukastens von UmsGanze! gehört und regionale Unterschiede in der Produktion von Wert zu fassen versucht. Doch vermag auch dieser mit dem Anstrich der Spezifizierung versehene Begriff nicht, sich der Universalität zu entsagen: Diese Logik vollzieht sich als Grundmuster überall, wo sich kapitalistische Produktion ereignet und beschreibt einen reinen Ökonomismus. Somit ist auch dieser Begriff nicht geeignet, Gesellschaften als geronnene Geschichte zu begreifen und bleibt zur Benennung geschichtlicher Spezifik unnütz – davon abgesehen, dass er sich des Ableitungsmarxismus verdächtig macht, der Staat und Nation zum reinen Überbauphänomen stilisiert.

Gemäß der in ihrem Pamphlet aufgeführten Argumentation bildet die Aneinanderreihung der »hier« und »heute«, also die Addition einzelner unverknüpfter synchron-erfasster Ereignisse und Zustände ihren Geschichtsbegriff: Wie auf diesem Grund eine Relevanz »politischer wie intellektueller Kämpfe« begründet werden kann, bleibt mehr als fraglich. Solange Geschichte nicht diachron, d.h. als eine Entwicklung betrachtet wird, sondern nur aktuelle und vergangene Ereignisse bewertet werden, ohne diese in eine innere Relation zu stellen, lässt sich einer fortdauernden gesellschaftlichen Kritik kaum eine relevante Rolle zuweisen; abgesehen von ihrer Wirkung in der jeweiligen Situation. Trotz ihrer Geschichtsvergessenheit muss die TOP zugestehen, dass Deutschland sich durch eine »eigentümliche Geschichte« und sogar durch »eigentümliche Institutionen« auszeichnet – die Genoss_innen haben mehr als 65 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz wirklich einiges gelernt!

Als sei dies alles nicht genug, liegt den »endgültigen Anmerkungen« ein äußerst gefährlicher, da undialektischer Ideologie-Begriff zugrunde, der in seinem Objektivismus unterschlägt, dass auch die Subjekte stets Ideologie (re)produzieren. Es stellt sich davon ausgehend bei UmsGanze! und TOP stets so dar, als seien die Subjekte ausschließlich Opfer staatlicher und kapitalistischer Herrschaft, die aus rein mechanischen Reflexhandlungen heraus Angriffe etwa auf Migrant_innen verüben. Zu Ende gedacht heißt dieser objektivistische Ansatz die Verbrechen des deutschen Täter_innenkollektivs zu entschulden, mordenden Deutschen einen Opferstatus zuzubilligen – denn: waren diese nicht auch Opfer kapitalistischer Verhältnisse und Krisen, und verfielen geradezu zwangsläufig den sogenannten autoritären Krisenlösungsstrategien? Die »ideologischen Reflexe«, die die TOP attestiert, verneinen jede Freiheit und beschwören die Determination, anstatt sich in den Versuch der Vermittlung zu wagen. Fehlendes geschichtliches Denken und fehlende Spezifik auf der einen, sowie fehlende Subjekte auf der anderen Seite sind somit der Grund für die Unhaltbarkeit ihres Ansatzes der »Reflexe«.
Als äußerst bitter ist der Versuch der TOP zu werten, sich mit dem Verweis auf »die traurige Realität des völkischen Nationalismus in anderen Ländern« der Auseinandersetzung mit den deutschen Zuständen zu entziehen; eine deutsche Linke, die zum »Tag der deutschen Nation« bevorzugt von anderen Nationalismen spricht, anstatt alle ihre Finger in deutsche Wunden zu legen, zeugt von der Omnipräsenz hegemonialer »Vergangenheitsbewältigung« und Geschichtsklitterung. Die intendierte argumentative Spitze, der Hinweis darauf, dass »derzeit andere Nationalismen sogar deutscher als der hiesige« seien, zeigt nur einmal mehr, dass eine Auseinandersetzung mit antideutschen Positionen, eine Auseinandersetzung mit dem Komplex deutscher Ideologie, warum auch immer, nicht stattgefunden hat; ansonsten hätten die Genoss_innen feststellen können, dass dieser nie auf irgendeine der historischen geographischen Grenzen Deutschlands beschränkt worden ist – warum auch? Der implizit formulierte Vorwurf des völkischen Denkens, das Imagine-Bündnis würde ein imaginiertes Volk, »die Deutschen« kritisieren (und nicht Deutsche als handelnde Träger_innen deutscher Ideologie) läuft stetig in die Leere. Ebenso bitter ist die Ausschließlichkeit, mit der die TOP in ihren »Anmerkungen« argumentiert: So ereilt sie in der Frage um die 1-Euro-Jobs die – einer göttlichen Erleuchtung gleichkommende – Erkenntnis, dass der Zwang zur Arbeit »in Wahrheit« nur eine »relativ späte Kopie des angelsächsischen Workfare-Prinzips« sei. Damit schließen die Genoss_innen aus, dass dieses moderne Modell des Arbeitszwanges mit deutschem Arbeitswahn etwas zu tun hat: Es ist und bleibt anscheinend ein unmögliches Denkexperiment, dass eine repressive Struktur auch gleichzeitig aus verschiedenen Handlungsmotivationen gebildet werden kann. Nachdem die TOP auf ihrer Suche nach der »Wahrheit« nun aber bereits erfolgreich war, ist dies selbstverständlich überflüssig. 4
Der Aufruf an die Leser_innen, der kurz vor Ende der »endgültigen Anmerkungen« quasi als Fazit fungiert, schließt die Kritik an der von niemandem geäußerten Position und die eigenen Versuche, eine deutsche Spezifik zu negieren, auf einem Höhepunkt der Widerlichkeit ab: Statt »Auschwitz als politisches Mantra einzusetzen«, sollte lieber auf die »aktuellen killing-fields« der »dumpfen Brutalität des Kapitalismus im Weltmaßstab« eingegangen werden. Was hier an die »Auschwitzkeule« erinnernd vor sich hin walsert, stellt den kategorischen Imperativ Adornos auf den Kopf: Dieser sei nämlich »universalistischer Apell zu antikapitalistischer Praxis«. Als hätte der Massenmord an Jüdinnen_Juden, Sinti und Roma und den anderen Opfern des deutschen Täterinnenkollektivs aus Gründen der Mehrwertproduktion stattgefunden, wird Auschwitz in ein linkes Standard-Erklärungsschema der Ausbeutung integriert, die Singularität damit abgesprochen und schließlich mit Blick auf die »killing-fields« in der Welt relativiert. Here we go again linker Geschichtsrevisionismus.

  1. TOP Berlin: »Imagine there’s no countries/ it isn’t hard to do/ … – Here we go again. Endgültige Anmerkungen zur These einer „deutschen Spezifik“ nationaler Ideologie« (http://top-berlin.net/?p=313#more-313) [zurück]
  2. Imagine-Bündnis: »Imagine There’s No Deutschland« (http://imaginenodeutschland.blogsport.de/images/2011_aufruf_3_10_einzelseiten.pdf) [zurück]
  3. Bündnis gegen Einheitsfeierlichkeiten und NRW-Tag 2011: »Teaseraufruf – Friede, Freude, Eierkuchen?« (http://friede-freude-eierkuchen.net/files/buendnis-teaser.pdf) [zurück]
  4. Bei Gelegenheit erbittet sich das Imagine-Bündnis einen Hinweis, welches Orakel sich in Fragen der »Wahrheit« als besonders zuverlässig erwiesen hat. [zurück]

10.02.2012 – feiern gegen deutschland

Wir nutzen euch für einen schönen Abend und die Refinanzierung von „Imagine there’s no deutschland“ & „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“.

party gegen deutschland und seine nazis
Miss ThePoint (Zucker, bremen)
Getoese & Miles (Hamburg)
Lux (Palette700, LEIPZIG)
Phonetic (hamburg)
nyth (Bremen)
23 Uhr
5 eur

Aufruf zur Antifaschistischen Demonstration »Der Tod ist ein Meister aus Deutschland« am 28.1.2012 in Hamburg

Aufruf zur antifaschistischen Demonstration am 28. Januar 2012 in Hamburg

www.dertodisteinmeisteraus.de

Was sich in Deutschland abspielt, ist unerträglich. Dreizehn Jahre lang konnten drei Thüringer Nazis ungestört durch die Republik reisen, Banken überfallen, Sprengstoff-Attentate verüben und Menschen ermorden. Ihre Opfer waren Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und die Polizistin Michèle Kiesewetter. Die Morde der Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) wurden nur durch einen Zufallsfund nach dem Tod der beiden Nazis Böhnhardt und Mundlos im November 2011 aufgedeckt. Seitdem erfährt die Öffentlichkeit stückchenweise grauenhafte Details über die gezielte Hinrichtung von Migranten in ihren Geschäften, eine Nagelbombe in Köln-Mülheim und andere Anschläge eines Netzwerkes, von dem bisher nicht einmal abzusehen ist, wer ihm außer Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt noch angehört. Das ganze Ausmaß des Terrors ist noch nicht ersichtlich – möglicherweise steckt die Gruppe auch hinter einer Serie von Brandanschlägen in Völklingen und einem antisemitischen Bombenanschlag in Düsseldorf-Wehrhahn.

Erschreckend ist in diesem Kontext auch das Verhalten der deutschen Sicherheitsbehörden, für das Worte wie „Versagen“ offensichtlich zu harmlos sind. Bereits jetzt liegt offen zu Tage, dass die Behörden tief in den Terror des NSU verstrickt waren. Zudem wussten offenbar weite Teile der rechtsradikalen Szene nicht nur von der Mordserie, sondern auch, wer dahintersteckte. Erst kürzlich räumte der Verfassungsschutz in einem geheimen Untersuchungsbericht ein, mindestens bis zum Jahr 2000 über den Aufenthaltsort und die kriminellen Aktivitäten der NSU informiert gewesen zu sein. Es ist daher kaum vorstellbar, dass die Sicherheitsbehörden wirklich erst jetzt erfuhren, dass es im Untergrund eine Gruppe mordender Nazis gab. Es ist also nicht nur so, dass deutsche Sicherheitsbehörden „auf dem rechten Auge blind“ sind, es ist viel schlimmer: Die Grenzen zwischen Verfassungsschutz und militanter Naziszene verlaufen in manchen Gegenden dieses Landes scheinbar fließend. Insbesondere dort, wo die vom Verfassungsschutz eingesetzten V-Leute nicht nur keine brauchbaren Informationen zu der untergetauchten Nazi-Terrorgruppe lieferten, sondern mit Hilfe der staatlichen Zuwendungen maßgeblich am Aufbau von Nazistrukturen beteiligt waren, wie beispielweise in Thüringen.

Helmut Roewer, ehemaliger Präsident des Verfassungsschutz in Thüringen, schreibt heute für den antisemitischen und geschichtsrevisionistischen Ares-Verlag. Unter seiner Präsidentschaft konnten Mundlos, Zschäpe und Böhnhardt unbehelligt abtauchen. In diesem Zusammenhang darf nicht vergessen werden, dass es überzeugte Nazis und SS-Leute waren, die nach 1945 die deutschen Geheimdienste aufgebaut haben. In dieser Tradition kommt die Gefahr aus Sicht von BKA, Verfassungsschutz und BND bis heute nicht von rechts, sondern von links. Ein neuer Ausdruck dessen ist die Extremismusformel, die linke bzw. linksradikale Politik mit rechtsradikaler Gewalt gleichsetzt und beiden die „demokratische Mitte“ gegenüberstellt. Ausgeblendet wird hierbei nicht nur der Unterschied zwischen faschistischer Gewalt und dem emanzipatorischen Kampf um bessere Verhältnisse, sondern auch die tiefe Verankerung menschenverachtender Ideologien, wie Rassismus, Antiziganismus und Antisemitismus, sowie weitere Formen gesellschaftlicher Ausgrenzung und Diskriminierung, in der Gesamtgesellschaft.

Auch wenn wir vom Ausmaß des Terrors und vom Ausmaß der Mittäterschaft des Staates entsetzt sind: Im Gegensatz zu Behörden, Politik und weiten Teilen der Öffentlichkeit sind wir als Antifaschist_innen von den Taten des NSU nicht ernsthaft überrascht. Wer wissen wollte, dass es in Deutschland mordende Nazis gibt, wusste es längst. Nicht nur die Pogrome von Hoyerswerda, Solingen und Rostock- Lichtenhagen machten diese Erkenntnis unumgänglich, sondern auch die Zahl von über 180 Todesopfern nationalsozialistischer Gewalt seit 1990. Netzwerke gewaltbereiter Kameradschaften, die „Wehrsportgruppe Hoffmann“, „national befreite Zonen“, Anschläge wie der auf das Oktoberfest von 1980, Waffen- und Sprengstofffunde im ganzen Land: Die Überraschung über die scheinbar plötzlich einsetzende Nazigewalt ist nur durch Heuchelei oder gut funktionierende Verdrängung zu erklären. Sie zeigt wieder einmal, wie wenig begriffen wird, dass die nationalsozialistische Weltsicht von selbst zu Gewalt und Vernichtung drängt – und wie hoch die Bereitschaft von Staat und deutscher Öffentlichkeit ist, die Gefahr von rechts zu leugnen, herunterzuspielen und zu verharmlosen. Es ist nicht nur so, dass in Deutschland niemand etwas über Nazis wissen will – es sei denn, um sich von ihnen als bessere Deutsche abzugrenzen – und Antifaschisten_innen als Störenfriede und Nestbeschmutzer_innen wahrgenommen werden. Sondern, große Teile dieser Gesellschaft teilen auch die menschenverachtenden Ansichten der Nazis: Der Staat schiebt – auf Grundlage einer völkisch-rassistischen Definition von Deutschen – Menschen ab, große Teile der deutsche Bevölkerung teilen antisemitische Ressentiments und die Angst vor „Überfremdung“, die Bücher eines Rassisten wie Thilo Sarrazin werden zu Bestsellern.

Auch während der Mordserie des NSU wurde das völkisch-rassistische Selbstverständnis der deutschen Gesellschaft deutlich: Hinweise von Angehörigen und Freund_innen der Opfer auf einen rechtsradikalen Hintergrund der Taten wurden ignoriert, ein Profiler der Münchner Polizei, der früh auf die Möglichkeit eines rechtsradikalen Hintergrundes der Taten hingewiesen hatte, wurde zum Schweigen gebracht. Die Schuld wurde stattdessen bei den Opfern und ihrer angeblichen Verstrickung in „mafiöse Strukturen“ gesucht. Hinweise, die auf Nazis hindeuteten, wurden systematisch fallengelassen. Die Medien schrieben derweil in rassistischer Art und Weise von „Dönermorden“.

Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus und völkischer Nationalismus sind Alltag in Deutschland. In dem Land, das nach Auschwitz schlichtweg hätte aufgelöst werden müssen, wird bis heute über die Täter_innen von gestern und die Täter_innen von heute geschwiegen. Und jede_r Nazi kann in dem Bewusstsein handeln: Wir schreien das raus, was andere denken. So erklärt sich auch, dass es trotz der schrecklichen Taten des NSU bisher kaum langanhaltende und ernsthafte öffentliche Empörung über die rassistischen Morde und die Verstrickung der Behörden gibt. Ebenso wenig gibt es den politischen Druck, alle Vorgänge lückenlos aufzuklären. Wir befürchten daher, dass die nun herrschende, unerträgliche Ruhe es den deutschen Behörden ermöglichen wird, die eigene Verstrickung in den Naziterror zu vertuschen.

Deshalb gehen wir am 28. Januar auf die Straße, um unser Entsetzen über die Nazimorde, unsere Trauer um die Opfer und unseren Hass auf die deutschen Verhältnisse auf die Straße zu tragen. Wir wissen, dass unsere Forderung nach demokratischer Aufklärung des NSU-Skandals und einer konsequenten Bekämpfung von Nazis und anderen Nationalist_innen bei den derzeitigen Verhältnissen kaum Erfolg haben wird. Das völkische Selbstverständnis dieser Gesellschaft werden wir auch mit dieser Demo nicht kippen können. Aber das wird uns nicht davon abhalten, lautstark darauf aufmerksam zu machen, dass nicht alle in diesem Scheißland ruhig bleiben. Wir wollen die derzeitige Ruhe stören. Wir sagen nicht nur den Nazis, sondern diesem Staat und der ganzen Gesellschaft den Kampf an.

Wir fordern:

  • Ein würdiges Gedenken an die Opfer des Naziterrors und Entschädigungen für ihre Freund_innen und Familien
    Solidarität mit allen Opfern rassistischer, antisemitischer und antiziganistischer Gewalt
  • Die unabhängige Aufklärung aller Taten der NSU sowie die Offenlegung der Verstrickung des Verfassungsschutzes und anderen Geheimdiensten unter internationaler Beteiligung
  • Einbeziehung der Angehörigen in die Aufklärungsarbeit
  • Ersatzlose Schließung aller Einrichtungen des Verfassungsschutzes
  • Die endgültige Abschaffung Deutschlands
  • Kein Fußbreit den Nazis! Nie wieder Deutschland!