14.06. 19:30 – Podiumsdiskussion: Besser allein als in schlechter Gesellschaft!?

Die radikale Linke, insbesondere in Hamburg, hat ein Problem: Kritiker_innen des linken Antisemitismus. Nicht etwa die weit verbreitete Israelfeindschaft, die antisemitischen Vorfälle der letzten Jahre und die gewalttätigen Angriffe auf jene, die in denunziatorischer Absicht als Antideutsche identifiziert und zum Abschuss freigegeben werden, scheinen die Bewegten aus dem Konzept zu bringen. Gestört fühlt sich mensch in erster Linie von denen, die den gegenwärtigen Zustand als unerträglich kritisieren und der Linken das scheinbar Unmögliche, nämlich eine Auseinandersetzung mit antisemitischen Ressentiments in den eigenen Reihen, abverlangen. Mit dem Hinweis auf ihre Heterogenität redet sich die linke Großfamilie ihre Unfähigkeit zur Auseinandersetzung auch noch schön. Außerdem sei es doch das Wichtigste, handlungsfähig zu bleiben.

Es ist nur konsequent, dass unter diesen Bedingungen jene zur Bedrohung werden, die den Minimalkonsens der Szene, der Elemente des Antisemitismus beinhaltet, angreifen. Pädagogisch wertvoll wird zwar alle Jahre wieder auf die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit dem Thema Antisemitismus hingewiesen, inhaltliche Diskussionen und Positionierungen finden im Grunde jedoch nicht statt. Und so gibt es darüber, dass Antisemitismus innerhalb der Linken ein Problem darstellt, dem vor allem praktisch begegnet werden muss, bestenfalls temporär und lokal begrenzt eine Einigung, die in harten Auseinandersetzungen errungen und häufig schnell wieder in Frage gestellt wird.

Eine sich als emanzipatorisch verstehende Bewegung, die vom Kommunismus redet, aber nicht davon sprechen will, dass mit Antisemit_innen, die sich mit Vorliebe im Kostüm des Antizionismus schlecht verkleiden, radikal gebrochen werden muss, sollte besser schweigen. Angesichts der unzähligen antisemitischen Vorfälle und des antizionistischen Konsens innerhalb der radikalen Linken, stellt sich ernsthaft die Frage, ob nicht die deutsche Linke in ihrer gegenwärtigen Verfassung in erster Linie eine reaktionäre Vereinigung ist, der im Grunde mehr am Status quo als an dessen emanzipatorischer Veränderung gelegen ist.

Welche Form aber kann politische Praxis inmitten einer Bewegung annehmen, die nicht im Stande zu sein scheint, einen konsequenten Umgang mit Antisemitismus zu finden und sich endgültig von ihrem Antizionismus zu verabschieden? Gilt es, den Bruch mit der sich als radikal verstehenden Linken zu forcieren? Bleibt mensch besser allein als in der schlechten Gesellschaft linker Zusammenhänge, die, wie die Vergangenheit gezeigt hat, zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema Antisemitismus nicht bereit sind? Oder gibt es doch noch eine Chance für Veränderung?

Diese Fragen möchten wir mit der geplanten Podiumsdiskussion an verschiedene Hamburger Politgruppen richten, die sich in unterschiedlicher Weise innerhalb der oder auch in Distanz zur linken Szene verorten. Am Beispiel der Entwicklungen in Hamburg sollen die eingeladenen Gruppen über ihre Wahrnehmungen von und ihren Umgang mit linkem Antisemitismus berichten, ihre politischen Schlussfolgerungen darstellen, ihre Standpunkte diskutieren. Wir möchten mit dieser abschließenden Veranstaltung der Reihe “The Voices of Germany – Zur Kritik des Antisemitismus von links” einen Beitrag zu einer dringend notwendigen Debatte leisten.

Auf dem Podium werden vertreten sein: Sous la Plage, McGuffin, Kritikmaximierung, “Flora bleibt unverträglich”, sowie eine Person aus dem Vorbereitungskreis der Veranstaltungsreihe “The Voices of Germany – Zur Kritik des Antisemitismus von links”.

Am 14.06.2012 in der Roten Flora, danach sicherlich auch als Mitschnitt, ebenso wie die anderen Veranstaltungen der Reihe, die wir ebenfalls empfehlen: http://voicesofgermany.org